Mittwoch 22. Mai 2013
22. April
Seine Sinfonien sind trotzdem äußerst reizvoll, denn legt man das Augenmerk einmal primär auf den melodischen Einfallsreichtum und die Behandlung des Orchesters (Instrumentation, Orchestration) sowie den Umgang mit der sinfonischen Form, gibt es in der Tat nur vielleicht zwei Handvoll Sinfoniker, die im 20. Jahrhundert ähnlich Überzeugendes vorzuweisen hatten, wie Atterberg. Und in diesem Zusammenhang darf er gern auch in einem Atemzug mit den ganz Großen seiner Zeit genannt werden: Sibelius, Nielsen, Vaughan Williams, Schostakowitsch, um nur ein paar zu nennen.
15. April
Der britische Dirigent Sir Colin Davis ist gestern (14.4.) im Alter von 85 Jahren gestorben. Das teilte gestern das London Symphony Orchestra (LSO) mit, das er von 1995 bis 2006 als Chefdirigent leitete. Das Urgestein britischer Musikkultur kann auf ein bewegtes und erfolgreiches Dirigentenleben zurückblicken. Für seine Interpretationen von Mozart, Berlioz und Sibelius wurde Sir Colin Davis besonders geschätzt. “Wir werden ihn mit großer Zuneigung und Bewunderung vermissen”, hieß es in der Erklärung des LSO. Weiterführende Informationen: Weiterlesen
22. März
Die Brisanz der umstrittenen Fusionspläne des SWR durchdrang das gestrige Abo-Plus-Konzert des Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Ob durch die klangliche Botschaft des Pianisten Boris Berezovsky oder zuletzt in der offenen Diskussionsrunde zwischen Publikum und den Orchestermusikern im Foyer des Freiburger Konzerthauses – der Chor der Meinungen war einstimmig: Unverständnis über die getroffene Entscheidung und ungebrochener Wille zum Protest. Hauptbild: Weiterlesen
12. März
Dirigentendynastien sind gar nicht so selten. Man denke nur an die Namen Sanderling, Jurowski oder Kleiber. Doch keine Dirigentenfamilie hat die Musikwelt so im Sturm erobert, wie die drei Pultstars aus Estland: Neeme, Paavo & Kristjan Järvi. ... Premium Service Lesen Sie diesen Artikel jetzt vollständig Crescendo-Käufer lesen mehr. Abonnenten, Einzelheft-Käufer und Test-Abonnenten nutzen alle unsere Premium-Services kostenlos. Melden Sie sich hier an Anmelden Premium Services Übersicht Alle Artikel vollständig lesen. Alle crescendo-Ausgaben auch als E-Paper. "Das Klingende crescendo" - Audio-Tracks zu vielen Artikeln und Rezensionen. Neeme – Der PatriarchBiografie: Neeme Järvi ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Die Karriereanfänge verbrachte er hinter dem „Eisernen Vorhang“. Erst als er 1980 mit 43 Jahren von Estland in die USA übersiedelte, kam er in den Fokus der westlichen Öffentlichkeit. Neeme, ein Schüler des legendären Jewgeni Mrawinski, erwies sich als Fachmann für „nordisches“ Repertoire – vor allem für Sibelius. Er realisierte ab 1982 die erste Gesamteinspielung der Orchesterwerke des Finnen. Sie zählt noch heute zu den Besten. Gleichzeitig wurde er Chefdirigent der Göteborger Symphoniker und verhalf diesem Orchester zu Weltruhm. Es folgten Chefposten unter anderem beim Detroit Symphony Orchestra, beim Royal Scottish National Orchestra und beim Residentie Orkest Den Haag. Mit insgesamt über 400 Einspielungen ist Neeme Järvi einer der am meisten auf Tonträger verewigten Dirigenten. Stil: Der kräftige und süffige Klang, den er jedem Orchester verordnet, ist prädestiniert für romantisches bis modernes Repertoire. Auf dem Podium: Ein Mann wie ein Baum! Neeme Järvi wirkt durch knappe, zackige Gesten. Beobachter haben den Eindruck, die Orchester fräßen ihm aus der Hand. Unter Einsatz geringster Mittel versteht er es, zielgenau den unwiderstehlichen „Neeme-Järvi-Sound“ zu verwirklichen. CD-Highlights: Gesamteinspielung der Sibelius-Orchestermusik, seine Schostakowitsch-, Martinů- und Grieg-Zyklen, die „Sinfonischen Tänze“ von Rachmaninoff … Es gibt zahllose Highlights im riesigen Neeme-Järvi-Katalog. Paavo – Der KlassikerBiografie: Als Paavo 1962 zur Welt kam, war sein Vater erst 26. Im Alter von sechs Jahren begann der mit dem Schlagzeugspielen und gründete zusammen mit dem späteren Neue-Musik-Komponisten Erkki-Sven Tüür eine Rockband. Als die Familie 1980 in die USA emigrierte, verlegte sich der älteste Järvi-Sohn auf das Dirigierstudium, das er bereits in Estland begonnen hatte. Prägend war für ihn vor allem der Kontakt mit Leonard Bernstein. Seit Debütkonzert als Dirigent gab Paavo Järvi 1985, 1994 erhielt er beim Symphonieorchester Malmö seinen ersten Chefdirigentenposten. Ganz in der Tradition des Vaters begann er mit skandinavischem Repertoire. Seit 2004 hat Paavo Järvi seine künstlerische Heimat in Deutschland gefunden – zunächst bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und seit 2006 parallel dazu auch beim hr-Sinfonieorchester in Frankfurt am Main. Stil: Der Einzige unter den Järvis, der sich im klassischen Repertoire am wohlsten zu fühlen scheint. Aber auch für estnische Komponisten der Moderne macht er sich stark. Auf dem Podium: Auch in punkto Schlagtechnik ist Paavo der „klassischste“ Järvi. Schlank und agil wiegt er sich im Takt der Musik, formt Klänge des Orchesters gern mit dem Mund nach: „Pom, pom, pom, tatatatataaaa …“. CD-Highlights: Seine Beethoven-Symphonien wurden von der Kritik umjubelt – objektiv betrachtet etwas zu enthusiastisch. Seine Peer-Gynt-Aufnahme hingegen übertrifft selbst die des Vaters. Kristjan – Der GrenzgängerBiografie: Zehn Jahre jünger als Bruder Paavo verbrachte Kristjan Järvi seine Jugendjahre überwiegend in den USA. An der Manhattan School of Music begann er ein Klavierstudium, das er am Salzburger Mozarteum fortführte. Seine Lehrerin war Tatjana Nikolajewa. Weitere Studien führten ihn nach Israel, an der University of Michigan wandte er sich schließlich dem Dirigieren zu. Früh outete sich Järvi als Enfant terrible der Musik. Versuchte schon sein Vater Neeme Repertoiregrenzen abzubauen und bislang unbekannten Werken Gehör zu verschaffen, ging Sohn Kristjan noch einen Schritt weiter: Er schaffte Grenzdenken in der Musik für sich persönlich einfach ab. Mit seinem 1993 gegründeten „Absolute Ensemble“ führt er seither Barockmusik ebenso auf wie Jazz, Electro- oder Worldmusic. In dem Komponisten David Schnyder hat er einen kongenialen Partner gefunden. 2012 wurde bekannt, dass der jüngste Järvi-Spross zum Musikdirektor des MDR Sinfonieorchesters in Leipzig berufen wurde. Stil: Von Barock bis Rock: Kristjan Järvi macht vor nichts Halt. Auf dem Podium: Järvi ist immer in Bewegung, pflegt einen gelegentlich exaltiert wirkenden Dirigierstil, und er ist erst zufrieden, wenn er mindestens schweißgebadet das Podium verlässt. CD-Highlights: Das Album „Arabian Nights“ von Järvis „Absolute Ensemble“ ist ein Muss! Ebenso die CD „Zeitstimmung“ mit Werken von HK Gruber. Rainer Aschemeier
17. Mai
Der Name Robert Fuchs (1847 bis 1927) wird wohl nur Insidern etwas sagen. Dabei war er einst ein bekannter Musikpädagoge, zu dessen Schülern unter anderem George Enescu, Erich Korngold, Gustav Mahler, Franz Schreker, Jean Sibelius, Hugo Wolf und Alexander Zemlinsky gehörten. Für die Werke des Kollegen, der von 1875 bis 1912 als Professor für Theorie am Wiener Konservato- rium lehrte, begeisterte sich auch Johannes Brahms. Er meinte: "Alles ist so fein, so geschickt, so bezaubernd erfunden, dass man immer Gefallen daran findet." Das Werk des Österreichers ist überschaubar: Zwei Opern, drei Sin- fonien, drei Messen, etwas Kammermusik, sowie einige Werke für Orgel und Klavier - und fünf Serenaden für Streichorchester, die das Kölner Kammerorchester nun unter Christian Ludwig für Naxos eingespielt hat. Diese CD enthält die Serenaden drei, vier und fünf. Serenade Nr. 3, erschienen 1878, ist Erzherzogin Elisabeth von Österreich gewidmet. Und weil "Sissi" bekanntlich Ungarn leiden- schaftlich zugetan war, endet das Werk, das ziemlich melancholisch beginnt, mit einem munteren Finale alla zingarese. 1895 legte Fuchs Serenade Nr. 4 vor - und sie beeindruckt durch ihre wundervolle Instrumentation, insbesondere durch den Kontrast zwischen Hör- nern und Streichern. Serenade Nr. 5 schließlich startet erstaunlich düster, um dann letzten Endes in ein Finale zu münden, das ausge- sprochen wienerisch und sehr temperamentvoll erscheint. Das Kölner Kammerorchester kostet den Farbenreichtum des Fuchs'schen Orchestersatzes aus. Die Musiker demonstrieren jedoch, dass auch Spätromantik temperamentvoll und mit einem Fünkchen Hintersinn gespielt werden kann. So bereitet diese Musik Vergnügen, auch wenn diese Serenaden nicht mehr Unterhaltungsmusik pur sein wollen.
16. März
crescendo 02-12 (c) Port Media GmbH Liebe Leser, Wolfgang Rihm, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten, feierte am 13. März seinen 60. Geburtstag. Die gesamte Feuilleton-Elite hatte bei ihm angefragt, um ein Interview zu bekommen. Umso mehr freut es mich, dass er crescendo nicht nur ein Gespräch anbot, sondern auch eine sehr exklusive Audienz in seiner Wohnung in der Innenstadt von Karlsruhe gewährte. Der Komponist ist aus seiner Heimatstadt nie wirklich weg gezogen, was uns zu der Frage animierte, ob es ihm im Westen Baden-Württembergs nicht etwas an Kultur mangele. Was Rihm darauf antwortete und vor allem wie und wo er seine Stücke komponiert, lesen Sie hier . Unsere Titelheldin ist diesmal Alina Pogostkina. Sie wurde im russischen St. Petersburg geboren und verbrachte ihre Kindheit in Deutschland. Seit sie den Sibelius-Geigenwettbewerb gewann, gehört sie zu den hoffnungsvollsten Nachwuchs-Violinistinnen des Landes. Als wir anfragten, ob wir sie neben dem Interview noch fotografieren dürften, hatte sie nur einen winzigen Einwand: Sie wolle nicht als „Geigengirlie“ dargestellt werden. Unser Hausfotograf Bob Coat nahm sich ihrer an und löste diese Aufgabe in gewohnt charmanter Art. Pogostkina verkörpert auf den Bildern eine selbstbewusste Dame und zeigte sich auch im Interview sehr erwachsen. Das sehr lesenswerte Gespräch (und die Fotos dazu) finden Sie hier . Die schönsten Geschichten passieren aber immer noch zufällig: Unser Rezensions-Pate Attila Csampai wählte für seine diesmalige „best-of “-Liste wieder sechs aktuelle Alben aus, die – und das ist der Clou an dieser Geschichte – fast alle von Aufnahmen aus Städten stammen, die mit einem „B“ beginnen (Bremen, Bamberg, Budapest, Besançon, Biel und Berlin). Kein Wunder, sagt Csampai, denn die Initiale „B“ galt in der Musik schon immer als Garant für musikalische Höchstleistungen. Bach, Beethoven, Brahms und Bartók fallen einem da spontan ein, mit Boulez, Berlioz, Barenboim und Bernstein könnte man jetzt weitermachen, bis zum Notenverlag Bärenreiter, ja sogar bis zum Papst Benedikt XVI. Csampais Empfehlungen finden Sie auf Seite 20. Viel Spaß beim Lesen. Herzlichst, Ihr Winfried Hanuschik
Filmreportage [EN]
Gustavo Dudamel conducts Bruckner, Sibelius and Nielsen
Sibelius-violin concerto. Sergey Krylov (violin), RNO, Mikhail Pletnev (conductor). 2008
Maxim Vengerov - Sibelius - Allegro Moderato part I
Jean Sibelius, Finlandia performed by Royal Liverpool Philharmonic Orchestra and Vasily Petrenko
Große Komponisten der klassischen Musik
browsen Zehn Jahrhunderte der klassischen Musik...